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Stolz und Vorurteil als Glücksverhinderer

In unserer Serie "Gedanken von unterwegs", und in diesen Blickpunkten, widmen wir uns ja hauptsächlich den Dingen, die uns zu unseren Zielen hinführen. Aber es ist auch wichtig die sogenannten Glücksverhinderer zu kennen. Nach denen werde ich immer wieder gefragt: "Was sollte ich als Stärke nutzen, was als Schwäche meiden".

Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass es hier keine generelle Zuordnung gibt. Eine Eigenschaft von uns kann, je nach Situation, immer beides sein - eine Stärke und eine Schwäche. Das gilt auch für unser heutiges Thema - den Stolz und die Vorurteile.

Auf etwas stolz zu sein, oder sogar auf sich selbst und die eigenen Leistungen stolz zu sein ist grundsätzlich mal etwas, das zu unserem Glücksgefühl positiv beiträgt. Wenn wir etwas geschafft haben, auf das wir lange hingearbeitet haben und dass große Anstrengungen von uns verlangt hat, dann sind wir zurecht stolz auf das, was wir da geschafft haben. Aber Stolz hat, wie alle Eigenschaften, auch eine Schattenseite - zum Beispiel wenn er zu Überheblichkeit führt, oder zu einem falsch verstandenen Gefühl von Überlegenheit.

Ich selbst tat und tue mich immer noch schwer mit dem Begriff Stolz und versuche ihn zumindest nicht pauschal zu verwenden, sondern ein wenig genauer hinzuschauen. Ich gebe Ihnen zwei Beispiele dafür. Ein persönliches, das mich alleine betrifft, und eines, das ich gemeinsam mit anderen erlebt habe.

Das erste ist mein Masters Degree in Business Administration. Eigentlich keine große Sache, aber als Hauptschüler, der bis zum zarten Alter von 32, den Schlaf der Gerechten schlief und dann in diversen Stufen noch mal berufsbegleitend Abschlüsse gesammelt hat, ist es nicht so schlecht. Eigentlich etwas auf das ich stolz sein könnte. Aber dieses Gefühl hat sich ehrlich gesagt nie eingestellt. Was mir am Anfang als schwierig erschien hat sich mir nach und nach erschlossen. Ich habe gelernt, mich weiterentwickelt und am Ende wusste ich genau was zu tun war und wie ich es schaffen kann.

Es hat mir gezeigt, dass meine Grenze weit von der Stelle entfernt liegt, an der ich sie vermutet hatte. Aber stolz bin darauf nicht - eher demütig, weil es mir eine Ahnung davon verschafft hat, wie wenig ich wahrscheinlich auch heute noch weiß.

Das zweite Beispiel stammt aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Vor etwas mehr als 10 Jahren standen wir kurz vor dem Ende unserer Fußball-Abteilung. Kaum noch Spieler, wenig Nachwuchs - es war alles ziemlich festgefahren. Zusammen mit anderen entwickelten wir eine Vision, verbunden mit ehrgeizigen, damals noch scheinbar unrealistischen Zielen und ein paar pfiffigen Ideen, wie man das erreichen könnte. Nach langen Bemühungen und Rückschlägen haben wir am Ende fast alle Ziele übertroffen und stehen heute als gesunder, gut funktionierender Verein da.

Ein Grund stolz zu sein auf die Leistung? Ja sicher, aber vielleicht ist es das falsche Gefühl, wenn man bedenkt von wie vielen Faktoren das Gelingen abhing. Man kann sicher stolz darauf sein, dass wir uns nicht vom Weg abbringen ließen, auch als sich der Erfolg nicht gleich einstellte, und weiter Ideen generiert haben, aber überwiegend kann man dankbar sein, dass der Fleiß und das Durchhaltevermögen auch belohnt wurden und sich alles gefügt hat.

Auch für den zweiten Teil des heutigen Themas gilt das - die Vorurteile. Tatsächlich sind diese Schubladen für unser Denken im ersten Moment mal nützlich. Sie helfen uns, Dinge schnell einzuordnen und Gefahren rechtzeitig zu erkennen, bevor wir sie logisch erklären können. Aber wenn wir sie ungeprüft und gedankenlos gewähren lassen führen diese Vorurteile direkt ins Unglück, weil sie mögliche Fortschritte verhindern.

Oft werden diese Vorurteile noch verstärkt, wenn falscher Stolz dazu gemischt wird. "Ich bin stolz ein Deutscher, Türke, Spanier, Italiener, Grieche oder sonst was zu sein, weil wir so viel besser sind als Ihr ..." Verstehen Sie mich nicht falsch, ich weiß es zu schätzen hier in Deutschland geboren zu sein. Mindestens 80 % der Menschheit würde das Paradies auf Erden ungefähr so beschreiben, wie wir hier leben. Aber kann ich darauf stolz sein? Ich hab doch gar nichts dafür getan. Ich wurde einfach hier geboren. Fertig. Genauso gut hätte ich in Afghanistan oder Ghana das Licht der Welt erblicken können.

Bin ich als Person besser oder schlechter als andere, weil ich eine bestimmte Nationalität habe. Oder weil wir Fußball-Weltmeister sind? Ich meine, ich bin ein großer Fußball-Fan und freue mich riesig, wenn die Nationalmannschaft gewinnt, aber bin ich deshalb stolz darauf? Ich habe beim Gewinnen zugesehen - das war nicht so schwer, mal ehrlich.

Also zusammengefasst - Sie müssen nicht meiner Meinung sein, aber ich hoffe, die Gedanken haben dazu angeregt sie nach zu denken ... Stolz auf etwas sein, das man erreicht hat, ist grundsätzlich positiv und fördert das Selbstbewusstsein, genauso wie Vorurteile positiv genutzt sind, wenn wir die Kontrolle über unsere Schubladen behalten. Aber falsch verstandener Stolz auf eine Nation, eine Religion oder eine Weltanschauung, im Sinne von WIR sind oder UNSERES ist besser und wir sind überlegen - führt fast immer ins Verderben. Genauso wenn Stolz, im Verbund mit Vorurteilen zu Überheblichkeit führt. Dann sind das echte Glücksverhinderer.

Oder wie sehen Sie das? Mich interessiert Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen dazu. Schreiben Sie diese doch in die Kommentare und lassen Sie alle Leser und Zuschauer daran teilhaben. 

Alles Gute und
bis bald
Ihr
Gerd Ziegler

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