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Positives Denken – das große Missverständnis

positives-denkenVielleicht haben Sie auch schon gehört, dass man positiv denken sollte, ja sogar positiv denken muss, wenn man Erfolg haben will, und dass positive Resultate positives Denken voraussetzen.

Ob eine positive Einstellung zum Leben und eine positive Grundhaltung zu allem, was einem so begegnet, wirklich Vorteile bringt ist nicht mit letzter Sicherheit bewiesen. Dass eine solche Einstellung jedoch zu einem angenehmeren Gefühl führt, als chronische Miesepetrigkeit liegt aber auf der Hand. Ein gesunder Optimismus, verbunden mit einer guten Portion Lebensfreude schadet also keineswegs.

Was einem aber auf so manchem Seminar oder auf Schulungen (bevorzugt von verkaufsorientierten Organisationen) begegnet, lässt einen schon am logischen Verstand der Menschen zweifeln. Jedem sei alles möglich, hört man da, man muss es nur wollen und das berühmte Glas immer halb voll statt halb leer sehen. Probleme gibt es nicht, lediglich Herausforderungen und auch schlimme Ereignisse haben ihren positiven Aspekt. Wer es trotzdem nicht schafft, hat das halt einfach nicht kapiert.

Und diejenigen, die das alles gläubig nachbeten, rutschen vom rosaroten Positivdenker direkt in die Depression, weil sie ja wohl die größten Flachpfeifen sein müssen, wenn alle anderen das schaffen, nur bei ihnen klappt das irgendwie nie. Das bringt enormes Frustpotential mit sich. Schließlich haben wir von denselben Gurus gelernt, dass wir alleine für unser Leben und unsere Resultate verantwortlich sind.

Letzteres stimmt natürlich – wir sind tatsächlich für unser Leben verantwortlich, und unser jetziges Leben ist das Resultat von dem was wir die letzten Jahre so getan haben. Dass aber teilweise falsche Entscheidungen getroffen wurden, weil die Leute massiv manipuliert wurden, darüber hört man eher wenig bis gar nichts. Nicht dass wir uns falsch verstehen – die Entscheidung ob man solchen Manipulationen folgt, trifft jeder selbst. Aber oft wird hier mit ungleichen Waffen gekämpft.

Psychologisch gut geschulte Referenten stehen Menschen gegenüber die Hilfe suchen und glauben wollen. Sie wollen nicht zu der allseits verachteten Gruppe der Negativlinge gehören und verwechseln dabei eine negative Grundhaltung mit einer kritischen, die alle Aspekte abwägt.

Unsere Firma, unser Produkt, unser Leben, unsere Gemeinschaft ist die beste. Hier ist Begeisterung pur und man muss doch nur X, Y oder Z machen und schon ist man Millionär mit ein paar Stunden Arbeit pro Woche, die ja eigentlich keine ist … Und alles ist toll – man muss selbst brennen, wenn man andere entzünden will … Kritische Gedanken ob man überhaupt andere entzünden will, stören da nur.

Die Positiv-Denken-Falle

Viele Menschen tappen in die Positiv-Denken-Falle und lassen sich dazu hinreißen negative Gefühle wegzudrücken. In einer Welt in der alle immer gut drauf sind, passt Trauer und Wut und ein kritischer Verstand nicht hinein. Aber sind diese Gefühle dann tatsächlich weg? Natürlich nicht – sie sind nur ausgeblendet und sammeln ihre Kräfte um irgendwann verstärkt aufzutreten.

Nehmen wir an Ihre Gesundheit lässt zu wünschen übrig, die lästigen Kilos zuviel wollen einfach nicht mehr verschwinden, Ihr Partner oder Ihre Partnerin hat sich grade mit einer oder einem anderen auf und davon gemacht, Ihr Bankkonto wächst einfach immer weiter in die falsche Richtung und als krönender Abschluss erhalten Sie nach 25-jähriger Betriebszugehörigkeit die Kündigung von Ihrem Unternehmen – aber hey – wir wollen ja positiv denken – Durch die Kündigung haben Sie nun mehr Zeit für sich und Ihre Gesundheit, Sie können nun als freier Mensch wieder ausgehen mit wem und mit so vielen anderen wie Sie wollen und was das Bankkonto betrifft – wo nichts ist, kann man nichts verlieren, oder?

Selbsttäuschung vermeiden

positives denken, positiv denken, die macht des unterbewusstseins, negativ denken, die macht ihres unterbewusstseins, immer positiv   denken, kritisch prüfenIch meine, wenn Ihnen in einer solchen (zugegeben etwas überspitzt dargestellten) Situation wirklich danach ist, vor Glück zu schreien, dann herzlichen Glückwunsch. Niemand muss trauern und vor Elend weinen, nur weil das in einer solchen Lage normalerweise von einem erwartet wird. Dann geht es für Sie definitiv schneller wieder bergauf, als bei anderen.

Aber sehr oft stimmt das einfach nicht. In den allermeisten Fällen werden Sie sich in solchen Fällen schlecht fühlen, traurig, frustriert, wütend oder was auch immer. Und tatsächlich steht das schon in der Bibel:

Es gibt eine Zeit des Lachens und eine Zeit des Weinens, eine Zeit zu lieben und eine Zeit zu hassen usw.

Positiv denken heißt sich dessen bewusst zu sein. Niemand ist immer gut drauf. Positive und negative Gefühlszustände sind zwei Seiten derselben Medaille. Das eine bedingt das andere. Ein Mensch mit einer positiven Grundeinstellung nimmt sich die Zeit die er braucht um das Geschehene zu verarbeiten, zu trauern, wütend zu sein, in dem Bewusstsein, dass es danach weitergeht, dass die Zeit kommt wieder nach vorne zu schauen und den Rest des Lebens anzugehen.

Sich selbst zu belügen ist sowieso komplett sinnlos. Stellen Sie sich die oben geschilderte Szene noch einmal vor, wie sie sich über die positiven Aspekte der Kündigung und der neu gewonnenen Freiheit nach außen hin freuen, während Ihr Herz trauert. Raten Sie mal, was Ihr Unterbewusstsein wirklich registriert, Ihre wahren Gefühle oder Ihr Schauspiel?

Das Negative ist Teil unseres Lebens. Bei geschäftlichen Aktivitäten spricht die Statistik sogar klar gegen Sie. Die meisten Geschäftsgründungen scheitern innerhalb der ersten Jahre. Ein Großteil der Partnerschaften geht wieder auseinander oder endet unglücklich. Nur eine kleine Minderheit hat heute noch den gleichen Job wie vor 10 oder 20 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen solche Dinge passieren ist überdimensional groß. Solche zunächst negativen Ereignisse gehören zu unserem Leben einfach dazu und meines Wissens wurde noch keiner davon verschont, der sich nicht gleich nach der Pubertät einmauern ließ.

Positiv denken – Die Polarität anerkennen

positives denken, positiv denken, die macht des unterbewusstseins, negativ denken, die macht ihres unterbewusstseins, immer positiv denken, kritisch prüfenPositiv denken, heißt zu wissen, dass es weiter geht, dass das Positive Teil des Negativen ist und umgekehrt, sozusagen zwei Pole derselben Sache. Positiv denken, heißt auch zu wissen, dass alle unsere Werkzeuge einen Sinn haben und zur richtigen Zeit eingesetzt werden können und müssen. Ein kritischer Blick auf das eigene Wunschdenken hat vielen Menschen mehr Geld gebracht oder gespart als manche kluge Investition. Viele Möchtegern-Rockstars, die gar nicht musikalisch sind oder ähnliche Wunschbilder deren Scheitern vorprogrammiert ist, sollen hier als Beweis dienen.

Wie dem auch sei – das Leben ist keine Serie von glücklichen Momenten. Das Leben besteht aus Hochs und Tiefs, Erfolgen und Niederlagen, vor und zurücks, es ist voll von Problemen und Herausforderungen, besteht aus großen Siegen, gewaltigen Schiffbrüchen, Enttäuschungen UND glücklichen Momenten, die man umso mehr genießen kann, eben weil sie nicht alltäglich sind.

Welchen Wert hat ein Sieg für jemand, der noch nie verloren hat? Welchen Wert hat eine Familie für jemand, der nie von ihr getrennt war? Und wie wichtig ist Geld für jemand der reich geboren wurde und ohne jedes finanzielle Problem aufgewachsen ist?

Negativen Ereignissen ehrlich zu begegnen, die eigenen Gefühle zuzulassen im Bewusstsein, dass eine Zeit kommen wird, in der man auch die positiven Aspekte der Ereignisse würdigen kann, wird uns eher weiter bringen, als die rosarote Brille. Ebenso werden ein paar kritische Gedanken, bevor wir uns in ein geschäftliches Abenteuer stürzen, eher Wohlstand bescheren, als ein positives Ende einfach vorauszusetzen. Positiv zu denken ist kein Wunschdenken und keine Verdrängung, sondern der positive Umgang mit dem was man hat, ist und werden kann.

Comments

  • Gabriele Siebler
    August 27, 2013

    Danke für diesen tollen Beitrag, Genau das, was darin steht, nämlich auch die „Negativen“ Phasen des Lebens zu leben und auszuleben mache ich bereits mein Leben lang. Und nach diesen negativen Phasen (im Volksmund: Heultage) bin ich immer wieder aufgestanden und mit voller Kraft voraus wieder voll ins Geschehen einmarschiert. Trotzdem werde ich immer wieder dafür kritisiert, dass ich mich im Fall von Enttäuschungen und Niederlagen zurückziehe und „im Selbstmitleid versinke“. Fazit: Die meisten Menschen können mit „Negativ-Phasen“ und Rückzug nichts anfangen, belügen sich lieber selber und erzählen Tag für Tag, wie toll alles ist und dass man ja „nur“ positiv Denken muss.
    Deshalb nochmal herzlichen Dank für die Widerlegung dieser Theorie !

  • September 13, 2014

    Huuiiiiiii schöner Beitrag,
    allerdings hatte Ich nach dem lesen mein kleines Hmmm Gefühl.
    Ich persönlich finde positives Denken erstrebenswert ,finde sogar man sollte die negativen Erlebnisse zu lassen ,aber dennoch hinterfragen .
    Ein Beispiel ;
    ein geliebter Mensch stirbt ,das ist traurig und dennoch ein Ansatz die Situation zu hinterfragen ,was hat in seinem Leben gefehlt ,was will Ich noch erleben.Wie kann Ich mir die positiven begebenheiten mit dieser Person bewahren was war vorbildlich und was lehne Ich ab.
    Auf der Beerdigung kann man dann Abschied nehmen von dem unerledigtem (lässt sich eh nicht mehr ändern ),und diese statt zu trauern an den lebenden ausleben..
    Als Fazit aus einer Tragödie wird nichts tolles aber wenn man nur trauert wirds wirklich tragisch.
    greetz Mike

    • September 14, 2014

      Hallo Mike Housebuster, vielen Dank für Ihre Gedanken. Positives Denken ist absolut erstrebenswert. Das soll auch dieser Beitrag nicht in Frage stellen. Es geht nur darum, was positives Denken eigentlich ist und dass positiv eben nicht gleich unkritisch und „es ist immer alles toll“ heißt 😉
      Weiterhin alles Gute und viele positive Momente auf Ihrem Weg.

      • September 14, 2014

        Danke lieber Gerd Ziegler ,vor allem für den letzten Satz,
        habe den Artikel auch genauso verstanden,hielt nur eine klare Position von Nöten ,da die Überschrift ja über dem ganzen schwebt.
        Allen Lesern Weiterhin alles Gute und viele positive Momente auf Ihrem Weg.
        Besonderer Dank an Gerd Ziegler ,der es unermüdlich schafft ständig neue Themen auf zu greifen und auch „Altes“ hinterfragt um etwas „Neues“ besseres für uns alle zu ermöglichen.

  • Michaela Behnke
    Oktober 7, 2015

    Hallo Herr Ziegler, durch Zufall oder durch gezielte Suche, so genau kann ich das nicht sagen bin ich auf. „wissen-ist-macht.tv gekommen.
    Möchte einfach nur sagen das mich vieles sehr inspiriert und einige Beiträge mich aus einem Tief geholt haben. Mir die Kraft und den Mut gegeben haben zu glauben das ich doch kein Versagerin sondern nur eine ganz normale Frau bin, die jeden Tag aufs neue Ihr Leben besteht. So wie ich es mit dem Wissen von heute nun mal nur kann. Danke dafür und heute weiß ich schon mehr als gestern und morgen werde ich auch dank ihnen mehr Wissen als heute. Lg Michaela B.

    • Oktober 7, 2015

      Hallo Frau Behnke,

      es gibt keine Zufälle, man findet meistens das, was man gerade braucht oder tief im Inneren sucht. 😉
      Freut mich, wenn Ihnen die Beiträge auf Ihrem Weg ein Stück weiterhelfen konnten. Vielen Dank fürs Feedback und weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

      Viele Grüße

      Gerd Ziegler

  • Darina Ivanova
    August 16, 2016

    Ein ganzes Leben lang suchen wir die richtigen Antworten. Die verschiedenen Aelter geben unterschiedliche Antworten. Wie koennen wir sicher sein, ob unsere Wahrheiten, Wahrheit fuer die anderen sind?
    Wenn das positive Denken uns mehr Geduld und Sicherheit gibt, dann ist das richtig.
    Mann koennte mehr dazu schreiben, aber Worte sind nicht immer der gute Ratgeber. Ich glaube Stille kann uns auch Antworten geben.

    • August 16, 2016

      Hallo Darina,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Die Suche nach Antworten kann einen ganz schön beschäftigen, das stimmt, auch und gerade, wenn es diese eine Wahrheit nicht gibt, sondern diese in der Situation verborgen liegt – auch mal in der Stille.
      Positives Denken heißt für mich, zu erkennen, dass es immer mehr Aspekte und Facetten gibt, als wir sehen und wahrnehmen und uns auf die zu konzentrieren, die uns weiterbringen.
      Alles Gute und
      viele Grüße
      Gerd

  • Stefanie
    Mai 8, 2017

    Negative gedanken ziehen negatives an aber positive Einstellung ändert das bild..Und jede negative sache ist zum daraus lernen.. Bei negativen dingen sollte man über sich selbst nachdenken und nicht über andere..Denn nur wir selbst sind verantwortlich für die dinge die passieren..
    Das was man gibt bekommt man zurück..
    Und wenn jemand an positives zweifelt ist es sein Problem..Das einzige was wir brauchen»uns selbst« ..

    • Mai 8, 2017

      Hallo Stefanie,
      danke für Ihre Gedanken. Eine positive Einstellung hilft uns mit den Dingen umzugehen, die uns zwangsläufig im Leben begegnen. Und unsere Einstellung entscheidet darüber, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen und gestaltet somit unser Leben mit. Das ist richtig. Nur sind wir keine Inseln und wir brauchen sehr wohl auch andere, um unser Leben zu gestalten. Auch sind wir nicht für alles verantwortlich, was in unserem Leben geschieht – nur für die Dinge, die wir beeinflussen können. Das ist oft mehr, als wir zugeben wollen, aber eben nicht alles…
      Alles Gute Ihnen
      Gerd Ziegler

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