Moralische Werte
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Moralische Werte

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Sobald sich irgendwo auf der Welt, zu irgendeinem Anlass Abgründe auftun und die ganze zerstörerische Energie der Menschen zu Tage tritt, geht das Geschrei in Presse und Öffentlichkeit los. Unmoralische Banker hier, ausbeuterische Unternehmer da, gierige Spekulanten dort, Elend und Not an anderer Stelle. Und meist hängt das eine mit dem anderen zusammen.

Wie kann man nur so verkommen sein? Wie können denn menschliche Werte so außer Acht geraten? – Diese Fragen tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf.

Ich persönlich denke nicht, dass Banker, Unternehmer oder Spekulanten per se schlechtere Menschen sind, als der Rest der Bevölkerung. Allerdings haben deren Handlungen aber größere und vor allem sichtbarere Auswirkungen. Ob sie aber tatsächlich ein besonders raffgieriges und rücksichtsloses Völkchen sind, dass konnte so noch nicht bestätigt werden. Vielmehr handelt es sich meist um ganz normale Menschen, die in besonderen Situationen sind.

Wenn der Schlosser, die Verkäuferin oder die Krankenschwester in der Steuererklärung ein wenig schummelt, ist das ja nicht wirklich ein spürbarer Betrag, der dem Staat da entgeht, denkt man.

Wenn der Werkzeugmacher, die Gärtnerin oder der Hausmeister Dinge kauft, die aufgrund unmenschlicher Bedingungen anderswo, bei uns so günstig angeboten werden können, dann ist das nicht so dramatisch, oder? Was soll ein Einzelner schon tun? Was bringt es schon, wenn ich es nicht mehr kaufe, Millionen anderer aber schon?

Normal ist nicht gleich moralisch und ethisch gut

Wenn wir, trotz besseren Wissens, oder zumindest trotz verfügbarem Wissen, immer noch gedankenlos alles in uns hineinschaufeln, was von der chemischen Industrie halbwegs lecker gemacht wurde, kann das doch nicht die Ursache sein, dass Lebewesen gequält und in unnatürlichen Zuständen ihr kurzes Leben durchleiden müssen, um dann unter industriellen Bedingungen geschlachtet werden (wenn sie Glück haben gleich, wenn sie etwas mehrfach verwertbares haben, wie z. B. Gänsefedern, dann auch nachdem man zwei bis drei mal lebend gerupft wurde). Von den Auswirkungen auf das Klima und die Hungerländer ganz zu schweigen. Was hilft es schon, wenn ein Einzelner da etwas ändert? Gar nichts, oder? Der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Ich bin weit davon entfernt hier mit erhobenem Zeigefinger den Moralapostel zu spielen. Dazu mache ich selbst zu viele Fehler und verhalte mich ebenfalls nicht immer moralisch einwandfrei. Wir sind alle keine Heiligen, und selbst die Heiligen sind, wie wir mittlerweile wissen, alles andere als über jeden Zweifel erhaben. Es geht mir also nicht darum Anklage zu erheben und alle und jeden zu beschuldigen für das Elend auf dieser Welt. Vielmehr geht es darum Bewusstsein zu schaffen für die Zusammenhänge zwischen unserem Verhalten und den berechtigterweise als ungerecht und unhaltbar bezeichneten Zuständen, die teilweise in unserer Welt vorherrschen.

Es gibt nicht nur Gut und Böse, sondern auch die Gelegenheit zu wählen

Ich bin nicht der Meinung, dass hier irgendwelche bösen Menschen die Mehrheit der guten Menschen über den Tisch ziehen will. Vielmehr bin ich überzeugt, dass wir alle den Versuchungen und Ängsten unterliegen, nur bieten sich nicht jedem die gleichen Möglichkeiten sie auszuleben. Ich möchte ein paar Fragen stellen, die das Ganze vielleicht ein bisschen klarer machen.

unmoralisches-angebotVersetzen Sie sich bitte mal für einen Moment in die folgenden Situationen, in denen eine Entscheidung von Ihnen gefordert wird. Überlegen Sie nicht zu lange, es eine Chance, eine Gelegenheit, eine Situation in der Sie sofort entscheiden müssen, was Sie tun:

Sie sind auf einer Wiese und haben einen wundervollen Schmetterling auf Ihrer Hand sitzen. Jemand läuft vorbei und bietet Ihnen 100 €, wenn Sie dem Schmetterling die Flügel ausreißen.

Würden Sie es tun? Die gleiche Situation, nur jetzt bietet der Fremde Ihnen 1000 €. Wie sieht es jetzt aus? Und bei 10.000 €? Gibt es einen Preis, sofern Sie es nicht schon längst getan haben, bei dem Sie es tun würden?

Anderes Beispiel: Sie stehen an der Weiche eines Bahngleises und sehen in der Ferne einen Zug anrauschen. Sie drehen sich um und sehen eine Gruppe Kinder auf den Gleisen spielen.

Die Weiche ist so gestellt, dass der Zug die Kinder erfassen wird. Sie rufen um sie zu warnen, aber sie sind zu weit weg und hören Sie nicht. Sie können aber die Weiche umstellen und den Zug auf ein Abstellgleis leiten. Allerdings kniet dort ein alter Mann mit dem Rücken zu Ihnen gerichtet, der an den Schienen ausgrast oder Blumen pflückt. Auf jeden Fall kann auch er Sie nicht hören, und um hinzulaufen reicht die Zeit nicht.

Was tun Sie? Greifen Sie ein und spielen Schicksal? Wie entscheiden Sie sich? Wie entscheiden Sie sich wenn auf dem Nebengleis statt dem alten Mann Ihr Lieblingshaustier steht? Und wie, wenn es ein fremdes Tier ist?

Nehmen wir an Sie sind tief verschuldet. Sie haben nicht einmal mehr Geld um genug Lebensmittel und etwas Süßes für die Kinder zu kaufen und Sie können sich nirgends mehr blicken lassen, weil Sie schon sämtliche Freunde und Verwandten angepumpt haben, ohne eine Chance auf Rückzahlung. Sie sind am Ende. Nur ein Wunder kann Sie jetzt noch retten. Und da kommt es auch schon. Ein Angebot eines Fremden. Er bietet Ihnen eine Million Euro. Alles was Sie dafür tun müssen ist, an den Computer zu gehen, eine bestimmte Seite im Internet aufzurufen und einen Link anzuklicken. Ein Ihnen völlig fremder Mensch in einem fernen Land wird dadurch sterben.

Wie würden Sie handeln? Wie würden Sie handeln, wenn es nicht um Ihre finanzielle Existenz, sondern um Ihr Leben, oder das Ihrer Kinder ginge?

Entscheidungen und Konsequenzen

Das sind Extrembeispiele und egal wie Sie sich entschieden haben, es geht nicht darum sich oder jemand anders dafür zu verurteilen, sondern zu erkennen, wie Ihre Werterangfolge aussieht. Haben Sie am Bahngleis Schicksal gespielt? Den alten Mann geopfert um die Kinder zu retten? Oder Ihr Haustier geopfert? Oder das fremde Tier? Oder wollten Sie sich gar nicht erst schuldig machen durch aktives Eingreifen?

Haben Sie sich aus Ihrer finanziellen Not, durch den Tod eines fremden Menschen befreit? Haben Sie zumindest gezögert bei der Entscheidung? Haben Sie Ihr Leben oder das Ihrer Kinder gerettet, indem Sie jemand anderen dafür geopfert haben?

Ohne dass ich bisher jemals selbst in einer solchen Situation entscheiden musste, vermute ich doch, dass wir alle mehr oder weniger stark ausgeprägt, einen natürlichen Drang zur Selbsterhaltung und zum Eigennutz haben. Entsprechend verhalten wir uns in Notsituationen oder in Situationen, die uns einen großen Vorteil verschaffen können. Ich nehme an, darum bereichern sich Menschen hemmungslos und ohne Rücksicht auf Verluste, oder opfern bedenkenlos Menschen und andere Lebewesen, um selbst ein paar Wochen, Monate oder Jahre Leben zu gewinnen, oder um dieses Leben angenehmer zu gestalten.

Ich meine, was soll’s, oder? Wenn Tiere unter großen Schmerzen und unwürdigen Bedingungen gequält werden, wenn dadurch Krankheiten erforscht und besiegt werden können, oder? Oder wenn wir dadurch schöner werden und bleiben können, ist es dann auch noch okay? Oder wenn unsere Arbeitsplätze, unsere Existenzen davon abhängen, dann ist es doch okay, dass wir Waffen in Kriegsgebiete liefern, oder? Wenn wir dadurch wettbewerbsfähig bleiben, dann muss man doch ein wenig Zerstörung der Umwelt hinnehmen, oder?

moralEgal was Sie antworten, es zeigt Ihr Weltbild. Ihre Rangfolge der Werte. Und leider Gottes ist der Mehrheit von uns das Hemd immer noch näher als die Jacke. Das heißt, der eigene Vorteil, das eigene Überleben und das der Familie berechtigt uns praktisch zu allem, richtig?

Wenn wir also beim nächsten Skandal wieder über moralisch besonders verkommene Menschen urteilen, könnten wir möglicherweise mal daran denken, dass die im großen Stil betreiben, was wir oft im kleinen für richtig befinden. Nicht dass wir uns falsch verstehen – damit will ich nicht die Verbrechen und fragwürdigen Handlungen irgendeines Konzern-, Bank- oder Unternehmensleiters rechtfertigen oder gar gut heißen – ganz im Gegenteil. Aber ich möchte darauf aufmerksam machen, dass diese Menschen sich nicht im Wesentlichen von uns unterscheiden, außer dass sie wesentlich mehr Gelegenheiten und größere Spielfelder zur Verfügung haben. In der Summe sind die Auswirkungen des Verhaltens der Masse der Menschen, nicht minder schädlich.

Ist also alle Hoffnung vergeblich? Haben wir keine Chance die Dinge positiv zu verändern?

Ganz im Gegenteil – jeder einzelne von uns hat die Möglichkeit etwas zu verändern – nämlich sich selbst. Ändert sich dadurch die Welt? Ich meine ja. Vielleicht nicht gleich im Ganzen, aber nach und nach wird unser Beispiel Nachahmer finden, das Denken der Menschen wird durch ein positives Beispiel beeinflusst und mit der Zeit wird man an eine Stelle kommen, die Malcolm Gladwell in seinem gleichnamigen Buch als Tipping Point bezeichnet. Das ist der Punkt an der ein Trend, eine Veränderung, eine Mode oder eben eine neue Weltsicht zum Massenphänomen, zur Epidemie wird und schließlich zum neuen Standard. Die Macht liegt beim Einzelnen.

Was denken Sie?

Bis bald
Ihr
Gerd Ziegler

Comments

  • Juli 23, 2015

    Hallo Herr Ziegler,

    interesante Fragestellungen, die im allgemeinen und im besonderen von den wenigsten überhaupt in Betracht gezogen werden. Ich nehme mich da nicht raus. Und leider wird immer aus der eigenen Sicht be- und verurteilt, was ich als einer der größten Hindernisse in der Persönlichkeitsentwicklung sehe.
    Das Streben nach Glück und Zufriedenheit, wie es auch immer für jeden definiert sein mag, sollte nicht das Ziel sein, sondern ein interessanter Weg um seinen Träumen näher zu kommen. Und Wohl dem, der Träume hat und sie auch träumt, regelmäßig.
    Ich danke Ihnen für diese Inspiration und die Möglichkeit, über meine Weiterentwicklung nachzudenken und um Wege zu finden, die mich aus den eingefahrenen Denkmustern leiten. Jeder Schubs in diese Richtung ist hilfreich und Ihre Newsletter schubsen schon sehr. Ich finde meinen Weg.
    In dem Sinne, die besten Grüße
    Jürgen Strauch

    • Juli 23, 2015

      Hallo Herr Strauch,

      sehr gerne, freut mich wenn Ihnen die Beiträge weiterhelfen – und danke fürs Feedback. 😉

      Alles Gute weiterhin und
      viele Grüße
      Gerd Ziegler

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