Ehrlichkeit - verträgliche Dosis oder volle Breitseite?
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Ehrlichkeit – verträgliche Dosis oder volle Breitseite?

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Eigentlich sollte Ehrlichkeit keinen Spielraum für Interpretationen lassen, denn eigentlich gibt es ein bisschen ehrlich genauso wenig wie ein bisschen schwanger. Entweder man ist ehrlich, oder man ist es nicht. Tatsächlich aber erlauben wir uns den Einbau einiger Abstufungen, wenn es um das Thema Ehrlichkeit geht.

Ich will mich gar nicht groß mit der Frage aufhalten wo Ehrlichkeit aufhört und die Beleidigung anderer Menschen anfängt. Dazu gab es ja schon zahlreiche Versuche und alle Probanden haben einhellig berichtet, dass schonungslose Ehrlichkeit der sicherste Weg in die Isolation ist. Jedenfalls darf man nicht erwarten, dass man sich allzu beliebt macht bei seinen Mitmenschen.

Ist lügen aus Höflichkeit erlaubt?

hoeflichkeitsregelnWahrscheinlich lügen wir öfter aus reiner Höflichkeit, als um etwas zu verbergen. Ob wir das tun um die anderen nicht zu verletzen, oder ob wir es tun um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, sei dahin gestellt. Mir geht es in diesem Beitrag auch mehr um die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

Wie viel davon können wir vertragen? Wo hört die konstruktive Kritik an sich selbst auf und wo fängt der selbstzerstörerische Selbsthass an?

Vielleicht fangen wir mit dem leichteren Teil an. Ehrlichkeit ist die Basis für positive Veränderung und sich selbst anzulügen die Grundlage für Misserfolg. Wer gesund leben und dafür zumindest halbwegs Normalgewicht erreichen will, muss mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme beginnen. Dauernd was von ein paar Kilöchen zuviel zu sprechen, und von kleinen Pölsterchen mag dem Ego schmeicheln, aber es verhindert auch mögliche Veränderung. Damit ist nicht gemeint, dass man sich jeden Tag fertig machen soll, wegen der eigenen Unzulänglichkeit, sondern um eine sachliche, ehrliche Bestandsaufnahme. So ist es – das sind die Fakten – das gefällt mir, das möchte ich so lassen – das gefällt mir nicht, das ändere ich – Punkt.

Lebensziele – Ehrlichkeit vs. Möglichkeit

Auch wenn es um unsere Lebensziele geht und was wir gerne hätten – wovon wir träumen, auch da belügen sich viele Menschen tagtäglich. “Wenn ich das Geld nicht brauchen würde, würde ich diesen Job nicht machen.” “Eigentlich geht es mir ja bestens. Ich verdiene ordentlich und die Arbeit ist soweit okay. Es könnte schlimmer sein.” “Mit meinen Voraussetzungen kann ich nichts anderes machen.” “Ja, wenn ich dies oder jenes hätte, oder wenn mir dies oder jenes passieren würde, dann … “ Diese Liste ist beliebig fortsetzbar. Setzen Sie einfach Ihren eigenen Lieblingsspruch ein.

Wir Menschen sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht uns die Dinge schön zu reden. Da gibt es den “begnadeten” Sänger, der schon seit Jahren kurz vor dem Durchbruch steht. Er hat kein Talent zum Singen und so bleibt der Erfolg, trotz großer Bemühungen, auch nach Jahren noch komplett aus. Sein wirkliches Talent bleibt ungenutzt und Chance um Chance verstreicht um in einem anderen Bereich erfolgreich zu werden, während er sich immer noch vorgaukelt er könne auf diesem Gebiet ein Star werden.

Oder der mittlerweile schon in die Jahre gekommene Sachbearbeiter, der immer noch überzeugt ist, irgendwann läuft ihm seine große Chance über den Weg, und dann kommt er ganz groß raus. Dabei ist er schon seit Jahren von Chancen umzingelt, aber vor lauter Angst eine falsche Entscheidung zu treffen, hat er jede einzelne ausgeschlagen. Er hat ja schließlich etwas zu verlieren.

Die Zu-Falle

“Wenn ich nicht zu … wäre, würde ich …”

Bitte ergänzen Sie diesen Lückentext. Wenn ich nicht zu dick, dünn, groß, klein, arm, reich, gebunden, gestresst, krank, aufgeregt, ängstlich, dumm, alt, jung … wäre. Die Wahrheit ist – jeder einzelne von uns ist irgendwie zu … ;-)

Ich meine das ernst – Schreiben Sie ehrlich, nur für sich selbst auf einen Zettel den obigen Satz. Füllen Sie die Lücken mit Ihrem zu …, und ergänzen Sie, was Sie machen würden, wenn Sie eben nicht zu … wären. Dann streichen Sie alles vor der Satzergänzung, auch das “würde ich”, und setzen Sie ein “Ich werde” davor.

Ehrliche Selbstanalyse

spiegel-wahrnehmungAnalysieren Sie ehrlich, was Sie wirklich wollen. Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nicht scheitern können? Keine Zensur, keine Abers und kein Zögern, einfach nur antworten. Erst danach analysieren Sie – ebenfalls ehrlich – warum Sie das wollen und was dafür und was dagegen spricht.

Vor allem das Warum ist unheimlich wichtig. Unser erfolgloser Sänger aus dem Beispiel vorhin, will nämlich vielleicht gar nicht unbedingt singen. Vielleicht ist er nur auf der Suche nach Anerkennung, Aufmerksamkeit, möchte ein Star sein, weil er sich ungeliebt fühlt oder ähnliches. Und möglicherweise hätte er sein wahres Ziel schon lange auf andere Weise erreichen können, wenn er aufgehört hätte, sich etwas vorzumachen.

Also, was möchten Sie erreichen und warum ist Ihnen das wichtig? Warum müssen Sie das unbedingt erreichen, bevor Sie abtreten – irgendwann in weiter Ferne hoffe ich ;-)
Erlauben Sie sich dann auch die Frage: “Kann ich dieses Ziel hinter dem Ziel, nicht eventuell anders noch besser erreichen?” Und erst ganz am Schluss: “Welche Fähigkeiten und Kenntnisse muss ich haben bzw. mir aneignen um das zu verwirklichen?”

Und dann fangen Sie damit an Ihren Traum zu verwirklichen. Schritt für Schritt. Das kann parallel zu Ihrem gewohnten Leben sein, oder anstatt, je nachdem wie es für Sie am besten passt, wie Sie sich wohl fühlen damit. Aber mit der nötigen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, kann man sich auch nicht länger vormachen, man hätte noch ewig Zeit. Man hat alle Zeit, die man braucht, wenn man angefangen hat, aber man hat nicht ewig Zeit anzufangen. In dem Sinne – viel Erfolg auf dem Weg zu Ihrem ehrlichen Traumleben.

Bis bald
Ihr
Gerd Ziegler

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