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Intelligenz und Wahnsinn – eine unheilige Allianz

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Ruhm.

Ruhm und Ehre.

Oder war es doch nur der schnöde Mammon?

Egal - Zeit für Selbstzweifel hatte er später noch. Im Moment galt es, sich auf seinen großen Auftritt vorzubereiten.


Nervös zupfte er seine Robe zurecht, warf seinem Mandanten noch einen letzten prüfenden Blick zu - alles so wie besprochen - dann betraten sie gemeinsam den Gerichtssaal.

“Jeder Mensch hat das Recht auf bestmögliche Verteidigung”, versicherte er sich noch einmal selbst, dann begann er mit seiner Verteidigungsstrategie, die nach sechzig Prozesstagen in ein denkwürdiges Schlussplädoyer mündete und für seinen Mandanten mit einem Freispruch endete.

Tatsächlich war der Angeklagte natürlich schuldig wie es ein Mensch nur sein konnte, aber die Beweise der Staatsanwaltschaft konnte er allesamt entkräften, oder aufgrund irgendwelcher Formfehler als unzulässig erklären lassen. Der alte Sack hatte ohne jeden Skrupel den Tod und die Verletzung zahlreicher Menschen verursacht und wäre wohl heute noch zu Gange, hätte er nicht einen Flüchtigkeitsfehler begangen. Eine undichte Stelle in der Firma und schon zog sich die Schlinge zu.

Aber er hatte Gott sei Dank wesentlich mehr Geld als Gehirnzellen und so konnte er sich Genies wie ihn leisten. Und er ließ sich weiß Gott fürstlich dafür bezahlen, solchen Psychopathen im Armani-Anzug aus der Patsche zu helfen. "Was soll's  also?", dachte er. "Schließlich muss der Mensch ja von irgendwas leben." 

Intelligenz und WahnsinnDas ist nur eines von vielen Beispielen, bei denen hochintelligente Menschen sich in den Dienst wahnsinniger Idioten stellen. Die Geschichtsbücher sind voll davon. Politische Strategien, wohl durchdachte, pointierte Reden, verwinkelte Schachzüge der Hochfinanz, manipulative Kampagnen, technische Entwicklungen zum Machterhalt und vieles mehr - die Liste ist unendlich.

In allen Bereichen stecken hinter tragischen Erfolgen von Despoten und machtgierigen Größenwahnsinnigen, hochintelligente Genies, die deren Sache voranbringen.

Ingenieure, die ihr Know-How dazu nutzen, Geräte zu erfinden und zu optimieren, die möglichst viele Menschen auf einmal umbringen können. Forscher, die ihre Talente und Fähigkeiten einsetzen, um möglichst effektiv die Gesetze und Vorschriften zu umgehen.

Redenschreiber, Filmemacher, Songschreiber, Künstler, Physiker, Strategen - es sind ganze Armeen intelligenter Zuarbeiter im Einsatz, wenn es gilt, Diktatoren an der Macht zu halten, oder den Willen großer Konzerne und Einflussnehmer durchzusetzen.

Ob es dann die hohe Kunst der Manipulation der Massen ist, oder die technische Entwicklung von Waffen zur Machtsicherung - es stecken immer kluge Köpfe hinter diesen Machenschaften.

Was treibt diese Menschen an? Warum nutzen Sie Ihr übergroßes Talent nicht zum Wohle aller?

Darauf gibt es eine einfache und eine etwas kompliziertere Antwort.

Zum Einen haben die Bösen mehr zu verlieren und zahlen deshalb besser. Es ist also einfach das, was die meisten Auftragnehmer und Arbeitnehmer machen - sie verkaufen ihre Arbeitskraft bestmöglich.

Gutes tun bringt zwar oft viel Anerkennung und Lob, aber meistens nur sehr wenig ein, mit dem man im Supermarkt bezahlen kann.

Das ist sicherlich ein Grund, der viele motiviert, skrupellos zu handeln. Gier oder ihr ständiger Begleiter, die Angst. Hinzu kommt der Wunsch sich bedeutend zu fühlen, oder wenn schon nicht bewundert, dann doch wenigstens gefürchtet zu werden.

Was immer es beim Einzelnen ist - es führt dazu, dass diese hochintelligenten Menschen dumme Dinge tun. Dinge die anderen Menschen schaden, die manchmal die Gesellschaft, manchmal die gesamte Spezies und manchmal den ganzen Planeten in Gefahr bringen.

Das ist natürlich mehr, als ein einzelner Mensch vor Gott und sich selbst vertreten kann. Wobei das mit Gott, würden sie schon irgendwie hinkriegen, aber vor dem eigenen Selbstbild wird es definitiv schwierig. Deshalb reden die Waffenproduzenten von Friedenssicherung, Abschreckung und Selbstverteidigung und blenden komplett aus, dass ihre Entwicklungen auch zum Einsatz kommen müssen, sonst wird es das Unternehmen, für das sie arbeiten nicht allzu lange geben.

“Es geht ja um Arbeitsplätze.” Ein äußerst beliebter Satz, den Politiker und Unternehmen immer wieder aus dem Hut zaubern, wenn es um Schutzmaßnahmen für Mensch und Umwelt geht. “Wir dürfen uns nicht selbst den Ast absägen auf dem wir sitzen”, sagen sie dann, und verschweigen, dass sie damit die Existenz des gesamten Baums aufs Spiel setzen.

Meistens reicht das auch schon aus, um den Menschen genug Existenzangst einzujagen, damit sie das scheinbar kleinere Übel wählen.

Was könnten wir als Menschheit erreichen, wenn wir all diese genialen Fähigkeiten und Kenntnisse zu einem Bündnis der positiven Entwicklung verbinden könnten?

Aber das passiert nicht, weil diese hochintelligenten Menschen sich oft genauso dumm verhalten, wie jeder andere auch. Sie sind ebenso von Angst und Gier getrieben, wie alle anderen. Nicht jeder im gleichen Maß versteht sich, aber doch unbestreitbar vorhanden.

Außerdem gehört zum positiven Einsatz der eigenen Kräfte auch der Glauben etwas bewegen zu können und das Selbstvertrauen, gestalten zu können. Beides gehört zu den Eigenschaften, die mit Intelligenz nicht das geringste zu tun haben - im Gegenteil. Glaube an sich selbst und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kräfte sind höchst irrational. Sie können nur selten logisch begründet werden.

Es ist viel logischer die Übermacht der herrschenden Verhältnisse zu betrachten und die eigene Ohnmacht zu spüren. Das ist die Realität. Da darf man doch nicht einfach die Augen davor verschließen. Da muss man halt das Bestmögliche für sich daraus machen - so wie es alle anderen auch tun, oder?

Insofern handeln die Genies genauso, wie jeder Otto-Normalverbraucher auch. Sie fügen sich und werden dadurch Teil der Maschinerie, der sie sich ausgeliefert fühlen und von der sie sich abhängig wähnen.

Intelligenz und Wahnsinn als unheilige AllianzAb und zu hört und liest man dann von einem, der die Welt ein Stück weit positiv verändert hat. Solche Menschen werden dann im besten Fall bewundert, im schlechtesten Fall bekämpft und schlecht gemacht - aber nur Wenige nehmen sie als Ansporn, für eigene Bemühungen. Schade eigentlich, oder?

Ich bin mir sicher, die meisten Menschen könnten ihre Talente und Fähigkeiten zum Wohle anderer einsetzen und selbst dabei ebenfalls gut leben - es würde vielleicht ein wenig mehr Kreativität erfordern, aber mit der Bereitschaft genau das zu schaffen, wird sich ein Weg auftun.

Das hätte zweierlei Folgen - die Welt würde Stück für Stück ein noch besserer Ort und den Wahnsinnigen würde gleichzeitig der Zugang zu den Ressourcen dieser Leute abgedreht. Ein doppelt positiver Effekt sozusagen.

Übrig bleiben dann lediglich die paar Ausnahmen, die Genie und Wahnsinn in sich vereinen. Die sind zwar immer noch gefährlich genug, aber es sind deutlich weniger, als diejenigen, die die Intelligenz anderer anzapfen müssen.

Was könnten wir alles bewegen? … Ich weiß - total unrealistisch und naiv. Aber nur mal so als Gedankenspiel - was könnten wir für den Einzelnen, die Gemeinschaft und das große Ganze erreichen? …

Alles Gute und
bis bald
Ihr
Gerd Ziegler

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